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„Es liegt auf der Hand, dass das sicherste Rezept für die Erlangung medialer Zuwendung in einem Ereignis bestünde, bei dem eine eng begrenzte Zahl prominenter Einzepersonen, die der kulturellen, politischen und räumlichen Nahmwelt der Betrachter entstammen, in überraschenden Konflikthandlungen Leistungen oder Erfolge präsentieren können oder beträchtlichen Schaden erleiden.“ Thomas Meyer: Mediokratie. Frankfurt 2001. |
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| 10.01.2010 |
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Wenn es darum geht – auch im Zusammenhang mit dem jüngsten Volksentscheidung in der Schweiz – Angst vor dem Islam(ismus) zu wecken oder zu bestätigen, hilft das Zitat „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Zitiert wird es gerne seit 1998, weil der nunmehrige türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan es als damaliger Istambuler Bürgermeister in einer Rede verwendet hatte, die ihn in Gefängnis brachte. Tatsächlich stammt es aus einem Gedicht von Ziya Gökalp, laut Wikipedia „ein türkischer Denker, politischer Publizist, Essayist, Intellektueller und Mitbegründer der Soziologie im Osmanischen Reich und in der modernen Türkei“. Kennt man dessen Lebensgeschichte und Haltung, wirken die Gedichtzeilen nicht mehr ganz so bedrohlich. profil, das unabhängige Nachrichtenmagazin Österreichs, lässt Elisabeth Sabaditsch-Wolf, nach einem News-Bericht als brachiale Islamismus-Kritikerin bekannt geworden, das Zitat in einem Interview unwidersprochen verwenden, um die Bedrohung durch den Islam zu demonstrieren – dasselbe profil, dessen Leitartikel – wie soll man es formulieren? – gegen die Islamkritik hetzt. Eine differenziertere Bewertung des Gökalp-/Erdogan-Satz verdanken wir z. B. der Neuen Zürcher Zeitung, die auf die tatsächliche Quelle hinweist. Manchmal, nein oft, sind Zeitungen unsere Bajonette, statt unsere Minarette zu sein, die ein wenig Überblick verschaffen. |
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| 06.12.2009 |
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Tim Gleason, Dekan der School von Journalism, University of Oregon: "Wenn im Journalismus eine Geschichte daneben geht, dann analysieren wir sie in Konferenzen und langen Artikeln, was warum schief gegangen ist oder versäumt wirde. Dann warten wir auf die nächste missglückte Geschichte.Und jedes Mal reagieren wir mit Empörung und Besorgnis, aber kaum etwas verändert sich." Zitiert aus: Stephan Russ-Mohl, Kreative Zerstörung - Niedergang und Neuerfindung des Zeitungsjournalismus in den USA. |
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| 07.11.2009 |
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Anders als Banken, Versicherungen und Autokonzerne gelten Zeitungshäuser offenbar bisher nicht als so „systemrelevant“, dass sie staatlicher Rettungspakete bedürften, obschon sie doch bisher unübersehbar als „Vierte Gewalt“ ein gewichtiger, wohl unverzichtbarer Pfeiler sind, auf dem unsere westlichen Demokratien gründen. Stephan Russ-Mohl: Kreative Zerstörung, UVK, Konstanz 2009. |
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| 20.10.2009 |
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In einem Blogbeitrag thematisiert Mirko Lange (er twittert auch unter seinem Agentur-Namen talkabout) am Beispiel von Opel die fast schon ewige Frage: Ist die Konzentration auf klassische Werbung (Print, TV) sinnvoll, um einen nachhaltigen Imagewandel zu bewirken? Darf man Dialog-Medien hintanstellen? Lange konzentriert sich in seiner Kritik auf den Social Media-Verzicht des Konzerns. Wobei Opel nicht nur Social Media ignoriert. Dass ein derart umfassender Marken-Relaunch, in einer Phase, in der der Konzern im Zentrum des öffentlichen Interesses steht, kaum Medienech hervorruft (von den großen im Internet verfügbaren deutschen Medien berichtet offenbar nur DIE WELT) darf wohl als Versäumnis der Konzernkommunikation interpretiert werden. Dass Opel mit dem Verzicht auf breite Dialog-Kommunikation sich vieler Chancen beraubt, ist evident. Al & Laura Ries haben die Grenzen von Werbung und die Möglichkeiten von PR bereits 2002 in ihrem Buch "The Fall of Advertising & the Rise of PR": - Advertising Is the Wind. PR Is the Sun
- A. is Spatial. PR is Linear
- A. Uses the Big Bang. PR Uses the Slow Buildup
- A. Is Visual. PR is Verbal.
- A. Reaches Everybody. PR Reaches Somebody
- A. Is Self-Directed. PR Is Other-Directed
- A. Lives. PR Lives
- A. Is Expensive. PR Is Inexpensive
- A. Favors Line Extensions. PR Favors New Brands
- A. likes Old Names. PR Likes New Names
- A. Is funny. PR Is Serious
- A. Is Uncreative. PR Is Creative
- A. Is Incredible. PR Is Credible.
- A. Is Brand Maintenance. PR Is Brand Building
Dass Opel sich also derart auf klassische Werbung fokussiert, scheint also unverständlich. Gäbe es nicht noch einen Unterschied: - Werbung ist perfekt kontrollierbar. PR bleibt immer unwägbar.
Und Unwägbarkeiten kann Opel in bewegten Zeiten überhaupt nicht brauchen. Allerdings: Der Opel-Dialog findet dennoch statt. Nur (fast) ohne Opel. |
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| 13.09.2009 |
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Betriebsversammlungen am gleichen Tag bei 5 großen österreichischen Versicherungen. Würden die Medien berichten? Gewiss doch. Betriebsversammlungen bei 5 wichtigen österreichischen Medien: Presse, Wirtschaftsblatt, Kleine Zeitung, Tiroler Tageszeitung, APA. Berichten die Medien? Kaum: Der Standard (bei dem keine Versammlung stattfand) ist die große Ausnahme, die Wiener Zeitung schreibt nüchtern die gewerkschaftliche Aussendung ab. Beim ORF war auch etwas zu lesen. Die geringe Resonanz ist verständlich. Es ist schwer, nach journalistischen Kritierien vielleicht sogar unmöglich, über etwas zu schreiben, von dem man selbst unmittelbar betroffen ist. Das ist aber auch das Dilemma der Medien: Es fehlen ihnen die Werkzeuge zu einer fundierten Reflexion über den Wandel, dem sie ausgesetzt sind. Natürlich geht es ums Einkommen der JournalistInnen. Das ist schon wichtig genug (für sie). Es geht aber auch um die Frage, ob ihnen mehr kollektivvertraglicher Schutz zusteht als anderen ArbeitnehmerInnen. Es geht darum, ob die Ergebnisse journalistischer Arbeit unveränderliche Endprodukte sind oder nur Zwischenprodukte sind oder gar Rohmaterial, das für andere Zwecke von den Medienhäusern beliebig weiterverarbeitet werden darf. Es geht um die Frage, ob die Endprodukt-Position angesichts des Drucks auf die Medienunternehmen, kostengünstig unterschiedliche Kanäle (Print, Online, Video ...) zu bedienen, faktisch überhaupt haltbar ist. Die grundlegende Frage ist aber: Wie können diese Fragen, die keineswegs nur Medien und Medienleute betreffen, breit und nicht nur in exklusiven Zirkeln diskutiert werden? Wie kann dafür (Medien-)Öffentlichkeit hergestellt werden? |
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| 26.08.2009 |
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Um über etwas zu schreiben, braucht die Zeitung nicht zwangsläufig einen Grund, aber jedenfalls einen Anlass. Das sieht man seh schön in einem sehr schönen Text über das "Garteln" (schicker: "Gardening") im Zeit Magazin. "Warum zieht es in diesem Jahr alle Welt in den Garten?", eröffnet die Autorin und suggeriert damit höchste Aktualität. Sie selbst hat ihren Garten (laut Artikel) aber seit 14 Jahren. Die britische Königin und ihr emeritierter Thronfolger haben ihre Liebe zum Garten auch nicht erst 2009 entdeckt. Der zitierte Joseph Roth ist als Trendsetter schon gänzlich ungeeignet – liegt er doch seit 70 Jahren unter der Erde. Da beibt nur Michelle Obama, die nachweislich 2009 einen Garten im Weißen Haus angelegt hat. Das könnte aber auch daran liegen, dass man sie vorher nicht hineingelassen hat ... |
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| 18.08.2009 |
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Die österreichische Bundesregierung, namentlich deren Vizekanzler Josef Pröll, sagt eine geplante Werbekampagne (Budget angeblich 5 Millionen Euro) der Bundesregierung ab und macht damit und stattdessen eine weit billigere PR-Kampagne. Dabei bedienen sich Pröll und die Regierung ironischerweise der Medien, die um die Inserate der Bundesregierung kommen, den Sachverhalt der Absage aber pflichtgemäß reportieren. Kritisch zwar, aber doch so dass der Applaus der Hochwasseropfer, die diese fünf Millionen nun angeblich bekommen sollen, wohl eher der Regierung als den Medien gelten dürfte. Ich sollte mich als PR-Berater freuen. Hat doch Pröll sehr eindrucksvoll demonstriert, dass eine PR-Kampagne ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis hat als eine pompöse Werbekampagne. Vielleicht tue ich das auch irgendwann einmal, aber jetzt noch nicht. Jetzt ärgere ich mich. Denn auch eine Werbekampagne macht man, um daraus Nutzen zu ziehen. Auch eine Werbekampagne ist kein Luxus, den man sich leistet oder nicht, sondern sie erfüllt einen Zweck. Sie ist überhaupt nur zu rechtfertigen, wenn sie das investierte Geld wieder hereinspielt – Umwegrentabilität erlaubt. Die Bundesregierung wollte aber offenbar eine Kampagne in Auftrag geben, die keinen Zweck zu erfüllen hat. Wenn dem nicht so wäre, hätte sie diie Aktion nicht so schnell stoppen können. Vielleicht hatte die Kampagne aber auch nur einen Zweck, der jetzt an Dringlichkeit verloren hat. Vielleicht sollte die Kampagne der Medienwirtschaft nutzen, den Verlagen. Das wäre an sich kein so schlechter Zweck. Wenn die Politik der Autowirtschaft durch eine Abwrackprämie und der Baubranche durch vorgezogene Infrastrukturinvestitionen hilft, warum sollte sie dann nicht auch Medienwirtschaft helfen? Die ist von der Wirtschaftskrise zumindest so stark getroffen wie andere Branchen. Und auch sie sichert Arbeitsplätze. Mit dem gleichen Recht könnte die Bundesregierung ein Schnellstraßenbaulos dichtmachen oder die Exportförderung hochwasserbedingt einschränken. Das tut sie aber nicht, zumindest nicht öffentlich. Warum? Weil Geld für Werbung auszugeben, speziell politische, kaum weniger den Beigeschmack der Verschwendung hat als der Kauf eines Goldzobel oder Lexus. Zur Verfestigung dieses Bildes haben die Medien in der Vergangenheit brav beigetragen. Was ja im Grunde für sie spricht. Sie halten die redaktionelle Unabhängigkeit und die Äquidistanz auch dann hoch, wenn es gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen geht. Sie geben selbst der Kritik aus den eigenen Reihen nicht viel Raum. Der Vorsitzende der Universitätskonferenz hätte in einem ähnlich gelagerten, die Hochschulen betreffenden Fall schon einmal mit einem Blattaufmacher rechnen dürfen. |
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| 30.06.2009 |
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Das Marketing hat Zielgruppen. Das kann auch dazu führen, dass allzu brachiales Marketing im Gegensatz zur PR, die in Bezugsgruppen denkt, keinen Bezug zu seinen Gruppen hat. Dell hat schon einmal ein Social Media Desaster erlebt, weil es Kritik nicht rasch genug ernst nahm. Daraus hat das Unternehmen auf die harte Tour gelernt aber vielleicht nicht genug. Und mit Della auf Frauen gezielt, aber möglicherweise weit daneben getroffen. Denn die reagierten zwar heftig, aber nicht in der erwünschten Art und Weise, betrachtet man die negativ-kritischen Postings. „Why on earth does Dell seem to think that women need to be introduced to computers and the Internet as if we are children?“, heißt es hier. Oder: „I found this extremely helpful...I've decided to buy a Mac.” Oder: „What a ridiculous and insulting marketing campaign.” Dell beherrscht das Medium immerhin soweit, dass Mitarbeiterinnen tapfer und zumindest auf der technischen Ebene stimmig kommunizieren können, wenn ihnen die Frage „Any explanation, Dell?“ Die Antwort, „The content on the site was created to provide tips for using technology in your everyday life. Our intent was not to offend, nor stereotype.”, wird ja stimmen. Zielgruppen zu beleidigen, dürfte tatsächlich äußerst selten ein Marketingziel sein. „Men are from Mars. Women are from Venus. And Dell is from the school of marketing hard knocks,” bilanzierte die New York Times. Das ist auch das Tröstliche: Dell hat etwas gelernt über seine Kundinnen. Zum Beispiel, dass sie auch ohne „Della“ Computer sinnvoll (wenn auch nicht im Sinn von Dell) zu nutzen verstehen. Dell hat es halt auf die harte Tour gelernt. |
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| 12.06.2009 |
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