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Ein Medium weniger im Land?

     

Christian Stenner, Herausgeber und Chefredakteur des Magazins korso plant mit September 2010 die Einstellung des Magazins. Einbrüche im Inseratengeschäft haben Personalreduktionen erzwungen - zuletzt war das Erscheinen des Magazins nur mehr durch Selbstausbeutung möglich.

Ich habe keinerlei wirtschaftliche Beziehungen zu korso oder Christian Stenner (ich schreibe nur kostenlos eine kleine Kolumne). Ich habe sehr oft eine völlig andere Meinung, als sie in korso publiziert wird. Ich ärgere mich sogar über manche Inhalte. Das ist aber anregender, als in der eigenen Haltung bestätigt zu werden.

Ich fühle mich aber Christian Stenner persönlich verbunden, ich habe großen Respekt vor seiner journalistischen Haltung und seinem grundsätzlichen Verständnis von Journalismus.

Und ich bin zutiefst davon überzeugt, das eine Stadt wie Graz dieses eigenständige, kritisches Magazin haben sollte, dass die Medienlandschaft in der Steiermark um ärmer wäre, gäbe es dieses nicht. Nicht zuletzt geht es auch um Arbeitsplätze von Medienschaffenden.

Als PR-Mensch bin ich auch aus reinem Eigennutz zudem ganz generell für Medienvielfalt. Ohne sie ist Public Relations nicht denkbar.

Daher möchte ich versuchen, einen Beitrag zu leisten, um das weitere Erscheinen zu gewährleisten. Es geht um rund 50.000 Euro im Jahr, die jedenfalls das Bestehen sichern würden. Ich habe noch keine konkreten Vorstellungen, wie das geschehen kann.

Vielleicht finden sich 100 Menschen, die jeweils 500 Euro aufbringen wollen. Vielleicht sind es zehn, die sich vorstellen können, je 5.000 Euro in die Medienvielfalt zu investieren, oder 1.000, die 50 Euro dafür übrig haben. Zusätzliche Inserate würden selbstverständlich helfen. Am wahrscheinlichsten ist eine Mischform.

Ich habe mir vorgenommen, in der nächsten Ausgabe von korso auf eigene Kosten ein Inserat zu schalten, und zur Beteiligung aufzurufen. Bevor ich das tue, möchte ich das Anliegen aber an Menschen herantragen, deren Ideen und Meinung ich schätze und von denen ich hoffe, dass sie auch einen Beitrag dazu leisten, damit es dieses Medium weiter geben kann.

 
11.05.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Sein oder Tun?

     

„Unser Verständnis von Journalismus und Journalisten wird sich bald grundlegend ändern. Wir werden uns nicht mehr fragen, ist jemand ein Journalist, sondern, hat er getan, was sonst ein Journalist tut?“

David Dadge, Direktor des International Press Institute im Standard-Interview.

 
02.05.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Journalismus wird es immer geben … in der einen oder anderen Form

     

„It is a human impulse to collect and disseminate information. The means of delivering news will change but not the need for gathering it. And so journalism will always exist in one form or another. Yet those who see journalism as a calling are right to worry about the pressures imposed by those who see it only as a moneymaker and by those determined to limit its intrusive qualities. Some battles are never over.“

 

Peter Osnos, Foreign Affairs Januar/Februar 2010

 
18.04.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Journalisten gehören zur politischen Klasse

     

Schmidt: … Wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man, dass die politischen Journalisten eigentlich mehr zur politischen Klasse gehören und weniger zum Journalismus.

ZEITmagazin: Halten Sie das für eine Unart?

Schmidt: Das würde ich nicht sagen, aber ich stelle es fest. So wie man feststellt, dass draußen die Sonne scheint oder dass es regnet.

 

Helmut Schmidt, journalistischer Politiker, in einem Interview zum 80. Geburtstag von Helmut Kohl im ZEIT Magazin.

 

 
31.03.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Geister, die Nestlé rief …

     
Fortune Magazine lists Nestlé as world no1 admired company in consumer food products” vermeldete das Unternehmen am 5. März 2010 auf seinem Twitter-Account. Rund 10 Tage später war die heile Welt kaputt. In einem drastischen Youtube-Video klagte Greenpeace Nestlé und namentlich dessen Markenprodukt Kit Kat an, durch die Verwendung von nicht nachhaltig produziertem Palmöl den Lebensraum der Orang-Utans einzuschränken. Soweit die weitgehend bekannte Vorgeschichte. Nestlé UK versuchte – zunächst erfolgreich – den Spot von der Youtube-Plattform entfernen zu lassen. Aber seither gibt es keine Pause mehr: Empörte Youtube-Nutzer multiplizierten das knapp zwei Minuten lange Video vielfach und sorgten für jene Wirkung, die sich die Justitiare des Konzerns wohl am wenigsten erhofft hatten: Noch mehr Aufmerksamkeit und Empörung.
 
Was auf Youtube begann, fand auf Twitter und Facebook seine Fortsetzung – auf Plattformen, die auch Nestlé schon vor Ausbruch des „Social Media Skandals“ benutzte. Auf Twitter fand und findet die Meinungsschlacht systembedingt abseits des wenig bespielten Nestlé-Accounts statt. Dieser hatte am 22. März nur knapp 790 Followers. Abseits dieses geschützten Bereichs finden sich aber unzählige kritische Tweets, die Nestlé betreffen.
Noch schlimmer traf es das Unternehmen auf Facebook. Auf der allem Augenschein offiziellen Nestlé-Site bewegen sich vor allem „Fans“, deren Verhalten Rapid-Anhänger auch nach einer zweistelligen Niederlage kaum an den Tag legen würden und attackieren das Unternehmen fast im Minutentakt: „Killers !!! yeah, make money and kill everything“, ist nur ein wahllos herausgegriffenes Beispiel. Eine bis zum Start der Greenpeace-Kampagne ebenfalls existierende „Kit Kat“-Site wurde überhaupt unzugänglich gemacht.
Was hat Nestlé falsch gemacht? Vor allem, was hätte es besser machen können? Gute Ratschläge von Social Media Experten kamen ungefragt in großer Zahl, hier nur ein ebenfalls wahllos herausgegriffenes Beispiel.
Den Rat, den Social Media Strategen immer gerne geben, hat Nestlé jedenfalls bereits antizipiert. Es war und ist auf Social Media Plattformen präsent, wenn es auch nicht gerade auf die Heftigkeit und Schärfe der Attacken vorbereitet wirkte. Der Versuch, den satirischen „Missbrauch“ von Nestlé-Logos (aus Kit Kat wurde zum Beispiel „Killer“) mit dem Hinweis auf das Urheberrecht zu bekämpfen oder missliebige Postings zu löschen wendete sich gegen Unternehmen. Das geht auf Social Media Plattformen gar nicht und wird unabhängig von der inhaltlichen Auseinandersetzung als schwere Verletzung der gnadenlos abgestraft.
Parallel dazu versuchte Nestlé zu argumentieren. Auf der eigenen Website des Unternehmens fand sich ab 19. März ein Argumentarium zum Thema Palmöl. Aber widersprüchliche Aussagen (So wurde das kolportierte Argument, dass Nestlé schon zuvor nur zertifiziert nachhaltiges Palmöl verwendet habe durch die kurz darauf verbreitet Nachricht, das Unternehmen habe sich von seinem inkriminierten indonesischen Zulieferer getrennt, stark relativiert.)
Wäre der Vorfall für das Unternehmen glimpflicher abgelaufen, wäre es nicht schon zuvor auf Facebook und Twitter präsent gewesen? Ja und nein: Die Kampagne ist von Greenpeace ausgegangen. Vielleicht wurde Nestlé gewählt, weil es auf den Social Medial-Plattformen eine so schöne Angriffsfläche bot. Wahrscheinlich wurde das Unternehmen aber in erster Linie wegen seiner schieren Größe und Relevanz gewählt, weil es die größtmögliche Fallhöhe (© Steffen Burkhardt) versprach. Die Facebook-Fanpages von Nestlé sind natürlich ein attraktiver Sammelpunkt für die Kritiker. Auch ohne sie hätten sich aber genug andere Diskussionsforen gefunden. Auf Twitter findet die Diskussion abseits des offiziellen Nestlé-Account statt.
Hätte Nestle online anders agieren sollen? Das Unternehmen betrachtete, bis er zu Zielscheibe der Communities wurde, Social Media augenscheinlich als fröhliche Marketing-Spielwiese, wie die englische Kit Kat-Seite zeigt. Postings zu löschen oder Nutzern, die Nestlé-Logos satirisch verfremdeten, mit Konsequenzen zu drohen, war eine Strategie aus der Rechtsabteilung, die zwar juristisch funktionierte aber prekäre Nebenwirkungen nach sich zog, die letztlich zur Hauptwirkung wurden.
Wäre der Skandalverlauf ohne Social Media ein anderer gewesen? Ähnliche Skandale (Brent Spar/Shell, Regenwald/McDonalds …) mit langsamerem aber ähnlichem Verlauf, gab es auch schon bevor die Medien social wurden. Um die öffentliche Debatte einzudämmen, haben die betroffenen Unternehmen unbeschadet der tatsächlichen Schuld kaum eine andere Wahl als sich vor dem öffentlichen Tribunal demütig zu entschuldigen, Besserung zu versprechen und das Versprechen tatsächlich erkennbar einzulösen. Mit der Trennung von seinem bisherigen Lieferanten hat Nestlé diesen Schritt nach einer sehr langen Schrecksekunde auch gesetzt – wohl etwas zu spät für das Netz. Aber in der analogen Welt, in der Verträge geprüft werden müssen und Verfahren ihre Zeit dauern, wäre eine raschere Reaktion wohl kaum denkbar gewesen. Eine frühere vielleicht schon: Unilever hat seine Vertragsauflösung bereits im Dezember 2009 kommuniziert …
Wie groß ist der Schaden tatsächlich? Groß genug, aber vielleicht nicht ganz so groß, wie die selbstbezogenen Netz-Communities meinen. Das Hauptschlachtfeld – die weltweit bespielte Nestlé-Fanpage hatte am 23. März noch keine 100.000 Fans – um 60.000 weniger als die regionale Fanpage „Kann dieser seelenlose Ziegelstein …?“, die sich gegen einen rechten österreichischen Politiker richtet, zum selben Zeitpunkt hatte. Die klassischen Medien verhielten sich in der Debatte eher zurückhaltend und wenig emotional – ganz anders als in der Pädophilie-Debatte um die Katholische Kirche – vielleicht aus ökonomischen Gründen (wie Verschwörungstheoretiker sicher vermuten), vielleicht weil Greenpeace seine Kampagne erkennbar auf einen Feind fokussierte, bei dem sich der Aufwand lohnt – den Palmöllieferanten Sinar Mas (wen?) direkt zu attackieren, hätte wohl kaum vergleichbare Wirkung gezeigt.
 
23.03.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Mediale Zuwendung

     

„Es liegt auf der Hand, dass das sicherste Rezept für die Erlangung medialer Zuwendung in einem Ereignis bestünde, bei dem eine eng begrenzte Zahl prominenter Einzelpersonen, die der kulturellen, politischen und räumlichen Nahmwelt der Betrachter entstammen, in überraschenden Konflikthandlungen Leistungen oder Erfolge präsentieren können oder beträchtlichen Schaden erleiden.“

Thomas Meyer: Mediokratie.  Frankfurt 2001.

 
10.01.2010 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Zeitungen sind unsere Bajonette

     
Wenn es darum geht  – auch im Zusammenhang mit dem jüngsten Volksentscheidung in der Schweiz  – Angst vor dem Islam(ismus) zu wecken oder zu bestätigen, hilft das Zitat „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Zitiert wird es gerne seit 1998, weil der nunmehrige türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan es als damaliger Istambuler Bürgermeister in einer Rede verwendet hatte, die ihn in Gefängnis brachte. Tatsächlich stammt es aus einem Gedicht von Ziya Gökalp, laut Wikipedia „ein türkischer Denker, politischer Publizist, Essayist, Intellektueller und Mitbegründer der Soziologie im Osmanischen Reich und in der modernen Türkei“. Kennt man dessen Lebensgeschichte und Haltung, wirken die Gedichtzeilen nicht mehr ganz so bedrohlich.
 
profil, das unabhängige Nachrichtenmagazin Österreichs, lässt Elisabeth Sabaditsch-Wolf, nach einem News-Bericht als brachiale Islamismus-Kritikerin bekannt geworden, das Zitat in einem Interview unwidersprochen verwenden, um die Bedrohung durch den Islam zu demonstrieren  – dasselbe profil, dessen Leitartikel  – wie soll man es formulieren?  – gegen die Islamkritik hetzt.
 
Eine differenziertere Bewertung des Gökalp-/Erdogan-Satz verdanken wir z. B. der Neuen Zürcher Zeitung, die auf die tatsächliche Quelle hinweist.
 
Manchmal, nein oft, sind Zeitungen unsere Bajonette, statt unsere Minarette zu sein, die ein wenig Überblick verschaffen.
 
06.12.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Der „Urin“ des Journalisten

     

„Der „Urin“ ist das, wovon ein berufserfahrener Journalist sich leiten lässt, wenn objektive Anhaltspunkte weitgehend fehlen oder sogar in die Gegenrichtung weisen.“

Wenn Peter Michael Lingens das sagt, wird es wohl stimmen.

 
22.11.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Ritualisierte Reaktion

     

Tim Gleason, Dekan der School von Journalism, University of Oregon: "Wenn im Journalismus eine Geschichte daneben geht, dann analysieren wir sie in Konferenzen und langen Artikeln, was warum schief gegangen ist oder versäumt wirde. Dann warten wir auf die nächste missglückte Geschichte.Und jedes Mal reagieren wir mit Empörung und Besorgnis, aber kaum etwas verändert sich."

Zitiert aus: Stephan Russ-Mohl, Kreative Zerstörung - Niedergang und Neuerfindung des Zeitungsjournalismus in den USA.

 
07.11.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Nicht systemrelevant

     

Anders als Banken, Versicherungen und Autokonzerne gelten Zeitungshäuser offenbar bisher nicht als so „systemrelevant“, dass sie staatlicher Rettungspakete bedürften, obschon sie doch bisher unübersehbar als „Vierte Gewalt“ ein gewichtiger, wohl unverzichtbarer Pfeiler sind, auf dem unsere westlichen Demokratien gründen.

Stephan Russ-Mohl: Kreative Zerstörung, UVK, Konstanz 2009.

 
20.10.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Opel Dialog ohne Opel

     

In einem Blogbeitrag thematisiert Mirko Lange (er twittert auch unter seinem Agentur-Namen talkabout) am Beispiel von Opel die fast schon ewige Frage: Ist die Konzentration auf klassische Werbung (Print, TV) sinnvoll, um einen nachhaltigen Imagewandel zu bewirken? Darf man Dialog-Medien hintanstellen? Lange konzentriert sich in seiner Kritik auf den Social Media-Verzicht des Konzerns. Wobei Opel nicht nur Social Media ignoriert. Dass ein derart umfassender Marken-Relaunch, in einer Phase, in der der Konzern im Zentrum des öffentlichen Interesses steht, kaum Medienech hervorruft (von den großen im Internet verfügbaren deutschen Medien berichtet offenbar nur DIE WELT) darf wohl als Versäumnis der Konzernkommunikation interpretiert werden.

Dass Opel mit dem Verzicht auf breite Dialog-Kommunikation sich vieler Chancen beraubt, ist evident. Al & Laura Ries haben die Grenzen von Werbung und die Möglichkeiten von PR bereits 2002 in ihrem Buch "The Fall of Advertising & the Rise of PR":

  • Advertising Is the Wind. PR Is the Sun
  • A. is Spatial. PR is Linear
  • A. Uses the Big Bang. PR Uses the Slow Buildup
  • A. Is Visual. PR is Verbal.
  • A. Reaches Everybody. PR Reaches Somebody
  • A. Is Self-Directed. PR Is Other-Directed
  • A. Lives. PR Lives
  • A. Is Expensive. PR Is Inexpensive
  • A. Favors Line Extensions. PR Favors New Brands
  • A. likes Old Names. PR Likes New Names
  • A. Is funny. PR Is Serious
  • A. Is Uncreative. PR Is Creative
  • A. Is Incredible. PR Is Credible.
  • A. Is Brand Maintenance. PR Is Brand Building

Dass Opel sich also derart auf klassische Werbung fokussiert, scheint also unverständlich. Gäbe es nicht noch einen Unterschied:

  • Werbung ist perfekt kontrollierbar. PR bleibt immer unwägbar.

Und Unwägbarkeiten kann Opel in bewegten Zeiten überhaupt nicht brauchen. Allerdings: Der Opel-Dialog findet dennoch statt. Nur (fast) ohne Opel.

 
13.09.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Wie diskutiert man Medienfragen - (fast) ohne Medien?

     

Betriebsversammlungen am gleichen Tag bei 5 großen österreichischen Versicherungen. Würden die Medien berichten? Gewiss doch. Betriebsversammlungen bei 5 wichtigen österreichischen Medien: Presse, Wirtschaftsblatt, Kleine Zeitung, Tiroler Tageszeitung, APA. Berichten die Medien? Kaum: Der Standard (bei dem keine Versammlung stattfand) ist die große Ausnahme, die Wiener Zeitung schreibt nüchtern die gewerkschaftliche Aussendung ab. Beim ORF war auch etwas zu lesen.

Die geringe Resonanz ist verständlich. Es ist schwer, nach journalistischen Kritierien vielleicht sogar unmöglich, über etwas zu schreiben, von dem man selbst unmittelbar betroffen ist.

Das ist aber auch das Dilemma der Medien: Es fehlen ihnen die Werkzeuge zu einer fundierten Reflexion über den Wandel, dem sie ausgesetzt sind. Natürlich geht es ums Einkommen der JournalistInnen. Das ist schon wichtig genug (für sie). Es geht aber auch um die Frage, ob ihnen mehr kollektivvertraglicher Schutz zusteht als anderen ArbeitnehmerInnen. Es geht darum, ob die Ergebnisse journalistischer Arbeit unveränderliche Endprodukte sind oder nur Zwischenprodukte sind oder gar Rohmaterial, das für andere Zwecke von den Medienhäusern beliebig weiterverarbeitet werden darf. Es geht um die Frage, ob die Endprodukt-Position angesichts des Drucks auf die Medienunternehmen, kostengünstig unterschiedliche Kanäle (Print, Online, Video ...) zu bedienen, faktisch überhaupt haltbar ist.

Die grundlegende Frage ist aber: Wie können diese Fragen, die keineswegs nur Medien und Medienleute betreffen, breit und nicht nur in exklusiven Zirkeln diskutiert werden? Wie kann dafür (Medien-)Öffentlichkeit hergestellt werden?

 
26.08.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Zeitung setzt einen Trend

     

Um über etwas zu schreiben, braucht die Zeitung nicht zwangsläufig einen Grund, aber jedenfalls einen Anlass. Das sieht man seh schön in einem sehr schönen Text über das "Garteln" (schicker: "Gardening") im Zeit Magazin. "Warum zieht es in diesem Jahr alle Welt in den Garten?", eröffnet die Autorin und suggeriert damit höchste Aktualität.

Sie selbst hat ihren Garten (laut Artikel) aber seit 14 Jahren. Die britische Königin und ihr emeritierter Thronfolger haben ihre Liebe zum Garten auch nicht erst 2009 entdeckt. Der zitierte Joseph Roth ist als Trendsetter schon gänzlich ungeeignet – liegt er doch seit 70 Jahren unter der Erde.

Da beibt nur Michelle Obama, die nachweislich 2009 einen Garten im Weißen Haus angelegt hat. Das könnte aber auch daran liegen, dass man sie vorher nicht hineingelassen hat ...

 
18.08.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Regierung macht eine PR-Kampagne indem sie keine Werbekampagne macht

     
Die österreichische Bundesregierung, namentlich deren Vizekanzler Josef Pröll, sagt eine geplante Werbekampagne (Budget angeblich 5 Millionen Euro) der Bundesregierung ab und macht damit und stattdessen eine weit billigere PR-Kampagne.
Dabei bedienen sich Pröll und die Regierung ironischerweise der Medien, die um die Inserate der Bundesregierung kommen, den Sachverhalt der Absage aber pflichtgemäß reportieren. Kritisch zwar, aber doch so dass der Applaus der Hochwasseropfer, die diese fünf Millionen nun angeblich bekommen sollen, wohl eher der Regierung als den Medien gelten dürfte.
Ich sollte mich als PR-Berater freuen. Hat doch Pröll sehr eindrucksvoll demonstriert, dass eine PR-Kampagne ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis hat als eine pompöse Werbekampagne.
Vielleicht tue ich das auch irgendwann einmal, aber jetzt noch nicht. Jetzt ärgere ich mich. Denn auch eine Werbekampagne macht man, um daraus Nutzen zu ziehen. Auch eine Werbekampagne ist kein Luxus, den man sich leistet oder nicht, sondern sie erfüllt einen Zweck. Sie ist überhaupt nur zu rechtfertigen, wenn sie das investierte Geld wieder hereinspielt  – Umwegrentabilität erlaubt. Die Bundesregierung wollte aber offenbar eine Kampagne in Auftrag geben, die keinen Zweck zu erfüllen hat. Wenn dem nicht so wäre, hätte sie diie Aktion nicht so schnell stoppen können.
Vielleicht hatte die Kampagne aber auch nur einen Zweck, der jetzt an Dringlichkeit verloren hat. Vielleicht sollte die Kampagne der Medienwirtschaft nutzen, den Verlagen. Das wäre an sich kein so schlechter Zweck. Wenn die Politik der Autowirtschaft durch eine Abwrackprämie und der Baubranche durch vorgezogene Infrastrukturinvestitionen hilft, warum sollte sie dann nicht auch Medienwirtschaft helfen? Die ist von der Wirtschaftskrise zumindest so stark getroffen wie andere Branchen. Und auch sie sichert Arbeitsplätze. Mit dem gleichen Recht könnte die Bundesregierung ein Schnellstraßenbaulos dichtmachen oder die Exportförderung hochwasserbedingt einschränken. Das tut sie aber nicht, zumindest nicht öffentlich. Warum? Weil Geld für Werbung auszugeben, speziell politische, kaum weniger den Beigeschmack der Verschwendung hat als der Kauf eines Goldzobel oder Lexus. Zur Verfestigung dieses Bildes haben die Medien in der Vergangenheit brav beigetragen. Was ja im Grunde für sie spricht. Sie halten die redaktionelle Unabhängigkeit und die Äquidistanz auch dann hoch, wenn es gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen geht. Sie geben selbst der Kritik aus den eigenen Reihen nicht viel Raum. Der Vorsitzende der Universitätskonferenz hätte in einem ähnlich gelagerten, die Hochschulen betreffenden Fall schon einmal mit einem Blattaufmacher rechnen dürfen.
 
30.06.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Indelligente Kommunikation?

     
Das Marketing hat Zielgruppen. Das kann auch dazu führen, dass allzu brachiales Marketing im Gegensatz zur PR, die in Bezugsgruppen denkt, keinen Bezug zu seinen Gruppen hat. Dell hat schon einmal ein Social Media Desaster erlebt, weil es Kritik nicht rasch genug ernst nahm. Daraus hat das Unternehmen auf die harte Tour gelernt aber vielleicht nicht genug.
Und mit Della auf Frauen gezielt, aber möglicherweise weit daneben getroffen. Denn die reagierten zwar heftig, aber nicht in der erwünschten Art und Weise, betrachtet man die negativ-kritischen Postings. „Why on earth does Dell seem to think that women need to be introduced to computers and the Internet as if we are children?“, heißt es hier. Oder: „I found this extremely helpful...I've decided to buy a Mac.” Oder: „What a ridiculous and insulting marketing campaign.” Dell beherrscht das Medium immerhin soweit, dass Mitarbeiterinnen tapfer und zumindest auf der technischen Ebene stimmig kommunizieren können, wenn ihnen die Frage „Any explanation, Dell?“ Die Antwort, The content on the site was created to provide tips for using technology in your everyday life.  Our intent was not to offend, nor stereotype.”, wird ja stimmen. Zielgruppen zu beleidigen, dürfte tatsächlich äußerst selten ein Marketingziel sein. „Men are from Mars. Women are from Venus. And Dell is from the school of marketing hard knocks,” bilanzierte die New York Times. Das ist auch das Tröstliche: Dell hat etwas gelernt über seine Kundinnen. Zum Beispiel, dass sie auch ohne „Della“ Computer sinnvoll (wenn auch nicht im Sinn von Dell) zu nutzen verstehen. Dell hat es halt auf die harte Tour gelernt.
 
12.06.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Krone ist schon Boulevard. Aber gehobenes.

     

Und das sagen Schweizer!

„Die Kronen Zeitung ist dem Boulevard zuzurechnen, allerdings dem ‚gehobenen’ Boulevard: Die Artikel sind deutlich einseitiger als die der Presse, aber der Sprachstil ist nicht, wie bei anderem Boulevardblättern, stark emotionalexpressiv, sondern nur normativ-expressiv. Interessant ist, dass eine nicht geringe Anzahl von Artikeln 2005 nicht lediglich episodisch, sondern in einen weiteren Themen- und Zeitkomplex eingebunden sind, was für eine nachhaltige und dauerhafte Beschäftigung mit bestimmten politischen Themen jenseits eines reinen Event-Journalismus spricht.“

L. Udris, J. Lucht: Öffentliche Kommunikation im Umbruch? Wandel der Medienstrukturen und Medieninhalte in ländervergleichender und diachroner Perspektive. In relation N. F. Band 3

 
11.06.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Fabel vom „Krone-Sieg“

     

Es passiert ständig: Man führt einen Grund an, damit wir die Nachricht schlucken und die Sache konkreter aussieht. Nach der Wahlniederlage eines Kandidaten wird man uns die „Ursache“ für die Verärgerung der Wähler liefern. Dafür ist jede erdenkliche Ursache recht. Die Medien bemühen sich aber sehr, den Prozess durch die Heerscharen ihrer Mitarbeiter, die die Fakten überprüfen, „gründlich“ zu machen. Sie wollen sich anscheinen mit unendlicher Genauigkeit irren (statt zu akzeptieren, dass sie in etwa recht haben, wie die Verfasser von Fabeln).
— Nassim Nicholas Taleb, „Der Schwarze Schwan“ —


Nach der EU-Wahl hat das FESSEL GfK Institut die Fakten geliefert: „70 Prozent der Wähler Hans Peter Martin sind Leser der Kronenzeitung. 67 Prozent der FPÖ-Wähler lesen ebenfalls die Kronenzeitung.“ Diese Analyse findet in der ZIB 2 ihre dramatische Zuspitzung: "Von denen, die nur die Kronenzeitung lesen, haben 30 Prozent Hans Peter Martin gewählt", heißt es im Bericht. Die düstere Einleitungsfrage: "Kann Hans Dichand Wahlen entscheiden?" Nach der ZIB 2 vom 8. Juni gibt es keine Zweifel: Dichand kann. Die Wähler haben sich für Martin entschieden, weil sie (nur) die Kronenzeitung gelesen haben, die Hans Peter Martin massiv unterstützte.
Muss das stimmen? HPM-Wähler sind auch überdurchnittlich alt. Unter ihnen sind durchschnittlich viele EU-Skeptiker.


Es wäre also genauso schlüssig, zu behaupten, EU-Skeptiker haben den EU-Kritiker Martin gewählt und sie lesen die Kronenzeitung, die ihre Skepsis teilt. Viele Ältere haben HPM gewählt und die Leser der Krone sind überdurchschnittlich alt. Dahin ist dann die Kausalität zwischen Krone lesen und HPM wählen. Damit wird allerdings auch die sinistre Macht der Kronenzeitung relativiert.

 
08.06.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Unsere EU-Wahlempfehlung für den 7. Juni

     

Ich wähle das A-Team, weil es immer gut ist, wenn ein Plan gelingt.

Ich wähle die ÖVP, damit die Polizeipräsenz in Brüssel erhöht wird und sich unsere EU-Abgeordneten sicher fühlen können.

Ich wähle die Grünen, damit Martin Graf nicht EU-Parlamentspräsident wird.

Ich wähle Ewald Stadler, weil es doch schön ist, wenn jemand, der gegen den EU-Beitritt war, jetzt sogar im Europäischen Parlament arbeiten will.

Ich wähle Andreas Mölzer, damit er mäßigend auf Jean-Marie Le Pen und Gordon Brown einwirkt.

Ich wähle Hans Peter-Martin, weil er im wahren Leben Günter Wallraff ist, und nicht einmal Hans Dichand hat es gemerkt.

Ich wähle die KPÖ, weil die schafft die EU ab und wir brauchen uns keine Wahlempfehlungen mehr auszudenken.

Bitte wählen Sie!

 
02.06.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Handelsblatt-Chefredakteur Bernd Ziesemer hat ein intellektuelles Problem

     

Sie sprechen den Kostenfaktor an. Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts, meinte: „Beim Wort Medienmanager wird mir schlecht.“ Wie sehen Sie den Kostendruck auf die Branche? 

PIRKER: Wenn dieser Herr das so sieht, dann offenbart das nur ein intellektuelles Problem bei ihm. Nicht umsonst ist sein Blatt in finanzieller Schieflage.

(Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria Medien AG, in einem Interview mit der Kleinen Zeitung, die zur Styria Medien AG gehört)

 
22.05.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


5 drängende Fragen zum EU-Wahlkampf in Österreich

     
  1. Warum legt die SPÖ so großen Wert darauf dass ihre KandidatInnen namentlich nicht bekannt werden? Und warum bildet sie diese dann auf den Plakaten ab?
  2. Warum will die "Europa-Partei" ÖVP den Eindruck erwecken, es ginge bei dieser Wahl nur um Österreich?
  3. Hat die die FPÖ für ihre Wahlplakat-Reime nichtdeutschsprachige Werbetexter engagiert, um zu beweisen, dass die deutsche Sprache tatsächlich in Gefahr ist?
  4. Wohin kann man sich wenden, wenn der "garantiert unbestechliche" BZÖ-Spitzenkandidat zum Garantiefall wird?
  5. Und warum treten die Grünen diesmal nicht an?
 
16.05.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die 5 Gründe für die Wirtschaftskrise.

     
  1. The bad distribution of income.
  2. The bad corporate structure.
  3. The bad banking structure.
  4. The dubious state of the foreign balance.
  5. The poor state of economic intelligence.

Nein wir reden nicht von der aktuellen Krise. Sondern von 1929 (JK Galbraith, The Great Crash)

 
12.05.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (2)


Wir vertrauen brand eins. Auch wenn es um Piraten geht.

     
Vorauszuschicken ist: Wir vertrauen der akkuraten Recherche von brand eins. Eine Zeitschrift, in der so elegant formulierte Texte derart schick gestaltet erscheinen, wird ja wohl auch tadellos recherchieren. Das ist nicht logisch, aber darum geht es.
brand eins berichtet in seiner beliebten Zahlenkolumne, dass für 7 Prozent der Litauer und 27 Prozent der Briten Kriminalität und Vandalismus in ihrem Viertel ein Problem ist. Das erscheint angesichts der 1,49 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner in England und der 10,33 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner in Litauen paradox. Sicher sind die Zeitungen schuld, die das Thema in England(Yellow Press!) aufbauschen  und in Litauen, dessen Journalisten teils noch in Sowjet-Zeiten sozialisiert wurden, herunterspielen. Das denken wir aber sicher sein können wir uns nicht. Vielleicht war der Tötungsdelikte-Faktor in England ja vor zehn Jahren 0,55 und in Litauen 18,85. Schließlich sind wir viel besser in der Lage, uns am Relativen (vor zwei Monaten gar keine Schweinegrippe, heute etwas mehr Schweingrippe) zu orientieren als am Absoluten (vor zwei Monaten ganz viele Malaria-Tote, heute auch ganz viele Malaria-Tote).
Für die Medien-Hypothese spricht aber ein anderes Beispiel in brand eins (Mai 2009). 2003 wurden 445 Schiffe von Piraten überfallen, 2008 waren es 293. Offenbar war das Thema 2003 noch unter der journalistischen Wasserlinie. Es wird also wohl an den Medien liegen. Oder an den Versicherungen, die jetzt von den Reedern sehr viel höhere Versicherungsprämien kassieren können, nachdem sie die Medienberichterstattung so erfolgreich beeinflusst haben.
Oder es liegt an brand eins, dem wir zu Unrecht vertrauen.
 
08.05.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Alle retten den ORF

     
Um jemanden zu retten, ist es nicht zwangsläufig notwendig, dass der Betreffende gerettet werden will. Aber jemanden wider Willen aus dem Wasser zu ziehen, der sich darin sehr wohl fühlt, stellt schon eine besondere Herausforderung dar.
Namhafte österreichische Zeitungen und deren ChefredakteurInnen retten derzeit den ORF. Ob der ORF das will, ob er überhaupt die Notwendigkeit sieht gerettet zu werden, kann man zumindest in Zweifel ziehen. Gerald Gross, Anchorman der „Zeit im Bild“ will zum Beispiel überhaupt nicht gerettet werden: „ … seit kurzem gibt es auch in Österrreich die Möglichkeit einer Patientenverfügung. Und in diesem Sinne erkläre ich hiermit: ich wünsche, nicht gerettet zu werden!“, schrieb er in der Wochenzeitung Falter, die auch zum Kreis der Retter gehört, allerdings mit Einschränkungen: „Ich betrachte weder die Zusammensetzung der Plattform noch die Formulierung des Manifest als endgültig“, relativiert Falter-Chefredakteur Armin Thurnher seinen Rettungseinsatz.
Die anderen Retter sind zwar weniger zögerlich, der Eindruck eines gemeinsames Rettungseinsatzes wird aber dadurch verwischt, dass es zwar ein gemeinsames Manifest gibt, aber sehr unterschiedliche Darbietungen auf den Webplattformen.
Die Presse berichtet auf ihrer Manifest-Page sogar über die negative Resonanz durch den ORF Betriebsrat („Aufschrei geriatrischer Eitelkeit, flankiert von weitgehender medienpolitischer Ahnungslosigkeit“). Weitere Online-Retter: Wirtschaftsblatt, Standard, Kurier (der auf den durch seinen ehemaligen Chefredakteur Hugo Portisch verkörperten Atem der Geschichte verweist), Salzburger Nachrichten, Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten, Vorarlberger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung. Andere retten auch, aber nicht online.
Profil-Chefredakteur Christian Rainer rettet den ORF ebenfalls, „aber unabhängig und mit journalististischen Mitteln“ – und sogar vor den Rettern. Die das (wie etwa Presse-CR Fleischhacker) gar nicht lustig finden.
Besser könnte man den ORF mit wirtschaftlichen Mitteln retten: Man lässt ihn Rundfunkgebühren auf Schweizer oder gar dänischem Niveau einheben. Aber das geht natürlich nicht. Das wüssten auch die Retter zu verhindern.
 
19.04.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


5.000 statt 280.000 Euro

     

In seiner Falter-Kolumne (die online nicht verfügbar ist) vom 18. März 2009 schreibt CR Armin Thurnherr: "… war zu hören, die Presse nehme im Monat aus den "Klaubeuteln" genannten Plastiktaschen, in denen sie samstags aushängt, gerade einmal 5000 Euro ein; der Zahl der entnommenen Zeitungen nach müssten es 280.000 Euro sein. Hier liegt auch der Hund begraben; nicht der Sonntagshund oder der Pressehund, sondern der Zeitungskrisenhund: Die Leute wollen für gewisse Dinge nichts mehr bezahlen (…) hat die Alles-geschenkt-Mentalität jedoch fatale Folgen. Werden Medien nur noch durch Werbung finanziert, also durch das werbende Publikum, und nicht mehr durch Kauf, also durch das lesende Publikum, verändern sie zwangsläufig ihren Charakter. Das einstmals zahlende Publikum, das über seinen vermeintlichen Gratisvorteil feixt, hat ökonomisch nur mehr als Zielgruppe Gewicht. In der Gratiszeitung hat es sein Recht verloren. Der Druck der Werbung erhöht sich…"

Bei mir las es sich in der eine Woche zuvor erschienen Korso-Kolumne so ähnlich (finde ich halt): "Jammern wir nicht, tun wir was. Stellen wir uns eine fiktive Zeitung vor. Sie setzt 150 Millionen Euro pro Jahr um, zwei Drittel, 100 Millionen kommt aus der Werbung, 50 Millionen zahlen die Leserinnen. Reduzieren sich die Werbeeinnahmen um ein Fünftel, bleiben in Summe nur mehr 130 Millionen. Das ist grundsätzlich schlecht, erhöht aber den Einfluss der Leserinnen. Um fast 16 Prozent. Wir wollen aber noch mehr. „Gute Inhalte kosten viel Geld, und ich bin überzeugt, dass der Konsument auf Dauer bereit ist, einen angemessenen Preis zu bezahlen“, hofft Gruner+Jahr Aufsichtsrat Axel Ganz im Interview mit einem deutschen Online-Medienportal. Beweisen wir, dass er Recht hat: Ab sofort bezahlen alle ihre Sonntagszeitung. Das hilft zwar nicht viel, weil die Zeitungen so viele Abonnenten haben, ist aber ein Signal: Wir wollen tatsächlich den Qualitätsjournalismus retten. Die (fiktive) Zeitung erhöht jetzt ihren Preis. Sagen wir, von 20 auf 30 Euro für das Monatsabo. Das wären dann schon 72 Millionen Euro pro Jahr (bei gleichbleibender Käuferinnenzahl), 152 Millionen trotz reduzierter Werbeeinnahmen. Dafür wollen wir aber etwas. Ein Modell dafür hat die Katholische Kirche schon entwickelt: Die Zahlerinnen dürfen mitentscheiden, wofür ihr Geld verwendet wird. Wir Leserinnen wollen mitbestimmen, welche Themen von der Zeitung recherchiert und qualitätsjournalistisch aufbereitet werden. Da hätte dann auch das beliebte SMS-Voting einen Sinn."

Ein Glück das mein Text etwas früher erschienen ist. umgekehrt hätte man vermuten können, da hätte einer abgeschrieben. So ist das definitiv auszuschließen.
 
20.03.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Winnenden & Co.: Tut was Politiker. Tut was Medien.

     

Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss gehandelt werden. Das ist die Logik der Politik und die Logik der Medien. Wenn als ein Jugendlicher "Amok" läuft und viele Menschen sterben, ist der Handlungsbedarf gewaltig. Wenn der "Täter" zuvor ein Gewaltspiel am Computer gesehen hat, ist klar was zu tun ist: Man verbietet diese Spiele.

Aber halt: Studien und daraus abgeleitete Theorien (davon kann man sich schnell auf Google überzeugen) zeigen ein inkonsistentes Bild: Gewaltspiele dienen dem Aggressionsabbau, glauben einige Wissenschaftller zu wissen, Gewaltspiele fördern die Gewalt, sind andere überzeugt.

Zweifel gibt es zudem an der Kausalität: Nicht Gewalt-Spiele machen nicht die Jugendlichen gewalttätig, sondern gewaltbereite Jugendliche neigen dazu, diese Spiele zu zu spielen. Das klingt zumindest so plausibel wie die reverse Erklärung.

Ganz rational betrachtet, wird der Handlungsspielraum dann sehr breit. Man kann ...

a.) die Spiel verbieten (das hatten wir schon).

b.) solche Spiele Jugendlichen gratis (vielleicht auf "Krankenschein") an Jugendliche verteilen.

c.) Jugendliche, die häufig zu Gewaltspielen greifen in einer Big-Brother-Welt (damit ist der Orwell-Roman gemeint, nicht das TV-Format) psychologisch screenen.

Tatsächlich kommt aber nur Variante a.) infrage: Nicht weil sie richtiger ist als b.) und c.) sondern weil sie als einzige medial vermittelbar ist.

Oder? Bringt jemand den Mut auf zu sagen: Wir wissen die Lösung (noch) nicht, weil uns die Grundlagen fehlen? Vielleicht kann er ka ergänzen: Wir wollen jetzt sehr viel Geld zielgerichtet in die Forschung investieren statt fragwürdige Studien gegeneinander abzuwiegen und nur zu glauben statt zu wissen.

 

 
16.03.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Schweizer sind ein bisschen komisch - oder?

     

Im Fall des Amstettner Mordprozesses diskutieren nur mehr völlig abgehobene Medien wie der FALTER, ob man den Namen des "Cellar Beast" (© The Sun) nennen darf.

Und die Schweizer? Deren Presserat veröffentlicht am 13. März 2009 diese Medienmitteilung:

Veröffentlichung von Bild und Namen des geständigen Täters im Mordfall Lucie: Presseratspräsidium will den Fall von sich aus aufgreifen

Am Donnerstag haben die Aargauer Behörden an einer Medienkonferenz das Bild und den vollen Namen des geständigen Täters im Mordfall Lucie veröffentlicht. Zahlreiche Medien haben daraufhin das Foto und den Namen veröffentlicht oder zumindest den Namen genannt. Dieses Vorgehen wirft im Lichte früherer Stellungnahmen des Presserates grundlegende berufsethische Fragen zur Veröffentlichung von Namen und zur identifizierenden Berichterstattung über Straftäter auf. Das Presseratspräsidium beantragt dem Presserat deshalb, den Fall von sich aus aufzugreifen und zum Gegenstand einer Stellungnahme zu machen. Dies teilte das Selbstkontrollorgan der Journalistinnen und Journalisten am Freitag in einer Medienmitteilung mit. Der Presserat hat in der Stellungnahme 7/1994 festgehalten, dass Medienschaffende auch dann nicht von der medienethischen Prüfung entbunden sind, ob eine identifizierende Berichterstattung im Einzelfall gerechtfertigt ist, wenn Strafverfolgungsbehörden einen Namen zur Publikation freigeben. Diese restriktive Praxis i.S. Namensnennung bei Straftätern hat der Presserat zudem in der Stellungnahme 6/2003 bekräftigt, obwohl die Polizei auch damals den Namen lieferte und implizit zu dessen Verbreitung aufforderte. Entsprechend wird auch im aktuellen Fall kritisch zu überprüfen sein, ob die Veröffentlichung von Namen und Bild berufsethisch gerechtfertigt war oder ob darauf hätte verzichtet werden müssen.

Sind die Schweizer nicht ein bisschen zickig? Oder die Österreicher zu phlegmatisch?

 
13.03.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Der Traum vom „user generated content“ und die Realität

     
Aus dem Medien- und Kommunikationsbericht der ( deutschen, nicht der österreichischen natürlich) Bundesregierung 2008:

Das stetig wachsende Informationsangebot erhöht den Orientierungsbedarf bei den Mediennutzern. Insbesondere auf dem Höhepunkt des Internet-Booms der „New Economy“, also in den Jahren zwischen 1995 und 2001, wurde von vielen Medienexperten und Wirtschaftsvertretern immer wieder die Erwartung geäußert, dass sich die Nutzer künftig ohne fremde Hilfe souverän als autonome Rechercheure und Programmgestalter in der digitalen Medienwelt bewegen würden. Von den Nutzern selbst produzierte Inhalte (sogenannter „user generated content“) würden professionellen Journalismus weitgehend entbehrlich machen, könnten neue demokratische Meinungsbildungsprozesse in Gang bringen und dadurch die politische Kultur maßgeblich verändern. Diese Prognosen sind durch die tatsächliche Entwicklung der vergangenen Jahre insgesamt jedoch nicht bestätigt worden. Im Internet sind teilweise sogar gegenläufige Tendenzen festzustellen. Die Masse des „user generated content“ hat keine politisch oder gesellschaftlich relevanten Inhalte und ist weitgehend eine Domäne unterschiedlicher spezieller Interessen mit entsprechend fragmentierten Nutzergruppen geblieben. Die Kommunikation im Internet hat damit auf die gesellschaftlichen und politischen Debatten bislang noch keinen den traditionellen Medien vergleichbaren Einfluss erlangt…

 

 
05.03.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Wahlumfragen verbieten!

     

Bei den jüngsten Landtagswahlen hat die Meinungsforschung glorios versagt. Statt eines unangefochtenen SP-Sieges in Salzburg kam die Landeshauptfrau gerade noch mit einem blauen Auge davon. Und in Kärnten ... ein Kopf-an-Kopf-Rennen schaut anders aus.

Aber sind wirklich die Meinungsforscher gescheitert? Oder wurden die Umfragen nur verkürzt dargestellt? Dann müsste man bloß die Darstellung (im Interesse der Meinungsforscher und der Medien) optimieren. US-Zeitungen können das ziemlich gut.

Und: Haben falsche Umfragenergebnisse einen nennenswerten Einfluss auf die Wahlergebnisse? Wenn nein, ist die Diskussion müssig. Dann geht es nur mehr um das Image der Meinungsforscher. Und das lassen wir doch deren Sorge sein.

 
04.03.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Journalisten sind nicht schuld

     
Das Problem der verbissenen Suche nach Ursachen liegt nicht bei den Journalisten, sondern bei ihrem Publikum. (…) Wir wollen Geschichten erzählt bekommen, und dagegen ist auch gar nichts einzuwenden (…) Die Zeitungen bemühen sich zwar, an einwandfreie Fakten zu kommen, verweben sie aber so zu einer Erzählung, dass sie den Eindruck von Kausalität (und Wissen) vermitteln. Die Fakten werden überprüft, der Intellekt leider nicht!
Es gibt jedoch keinen Grund dafür, sich gerade auf die Journalisten zu stürzen. Die Akademiker in den narrativen Disziplinen machen dasselbe, verbrämen es aber mit einer formellen Sprache …
 
24.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Wie behandelt man ein Interview, wenn einem die Zeitung gehört?

     
Profil: Herr Rothensteiner, Sie vertreten als Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Zentralbank mittelbar die Interessen eines Gesellschafters des „Kurier“ und der Verlagsgruppe News, zu
denen auch profil gehört. Kann ich dennoch davon ausgehen, dass Sie dieses Interview behandeln wie jedes andere auch?
Rothensteiner: Selbstverständlich.
Die einleitende Frage an den Vorsitzenden der Raiffeisen Zentralbank, Walter Rothensteiner in profil 9/2009 ehrt den Redakteur – hier ist man um Transparenz bemüht.
Andererseits, was hätte Rothensteiner antworten sollen.? Vielleicht: "Nein Herr Nikbakhsh, mit dem Herausgeber ist fix vereinbart, dass meine Presseabteilung das Interview penibel redigiert, bevor es erscheint."?
Und: Geht es in einem solchen Fall nicht eher darum, dass der Redakteur das Interview behandelt wie jedes andere auch? So schwierig das auch ist, selbst für einen "Journalisten des Jahres"
 
22.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Sollen das die Wissenschaftsredakteure ganz allein machen?

     

"Eine immer wichtigere Aufgabe von Wissenschaftsredakteuren ist es ... , Unsinn aus der Zeitung zu halten". zitiert der Standard Martin Enserink, Reporter bei Science.

Wir fragen uns: Soll man dieser Mörderjob, allein den Wissenschaftsjournalisten überlassen? Oder könnten nicht auch die Politik-, Wirtschafts- und ChronikredakteurInnen ein bisschen mithelfen?

 

 
21.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Ein glücklicher Kapitän

     

When anyone asks me how I can best describe my experience in nearly forty years at sea, I merely say, uneventful. Of course there have been winter gales, and storms and fog and the like. But in all my experience, I have never been in any accident... or any sort worth speaking about. I have seen but one vessel in distress in all my years at sea. I never saw a wreck and never have been wrecked nor was I ever in any predicament that threatened to end in disaster of any sort.

E. J. Smith, 1907 (5 Jahre bevor als erster und letzter Kapitän der Titanic in die Geschichte einging).

Wenn jemand so sicher ist, dass er Krisen souverän entgegen tritt, ist er gerade dann besonders anfällig für Krisen?

 

 
19.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (3)


Die Twitter-Analyse

     

Zum Vergleich der Leserzahlen von (Print)Medien gibt es die Mediaanalyse. (Das ist die, wo die Kronenzeitung vorne und die Kleine Zeitung, der Kurier und alle anderen dahinter sind.) Twitter ist keine Zeitung, sondern ein Micro-Blogging-Tool. Hier schreiben und lesen alle, die das wollen, 140 Zeichen lange Tweeds. Die LeserInnen hier heißen Follower. Die kann man auch analysieren. Natürlich ändern sich die Zahlen sehr rasch.

Hans Dichand hat heute 107 Follower, die Kleine Zeitung  105. Armin Wolf kann schon 135 Follower aufweisen, obwohl erst einen Tag twittert (1 Eintrag). Euke Frank (Woman) hat sieben -  deutlich weniger als Wolf, andererseits ziemlich viel dafür, dass es von ihr keine Einträge gibt. Der Journalist Robert Misik (der fleissig twittert) kann über 1.000 Follower aufweisen. Einer der meistgefolgten Twitter-User aus Österreich ist Lookcook mit mehr als 6.500 Verfolgern.

Nur: Hans Dichand und die kleine Zeitung haben ein Geschäftsmodell. Twitter (noch) nicht. Und Conclusio auch nicht - Twittermäßig gesehen.

 

 
15.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Mut zur Qualität ...

     

... löst die wirtschaftlichen Probleme der Printmedien. Sagt zum Beispiel G+J-Aufsichtsrat Axel Ganz im Interview mit einem Online-Medium. Ähnlich argumentiert auch der Spiegel Online: "Nur Qualität kann Google schlagen."

Na gut: Aber wie lässt sich diese Qualität erhalten, wenn sinkende Werbeeinnahmen, immer mehr Medien in finanzielle Nöte bringen, Redaktionen (z. B. die G+J-Titel Capital und Financial Times Deutschland) unter einem gemeinsamen Chefredakteur) zusammengelegt und JournalistInnen gekündigt werden?

Noch ist alles im grünen Bereich. Noch bekommen wir Qualitätsjournalismus – sogar frei Haus. NYT, Handelsblatt, FT, Washington Post ... im Internet lesen wir sie alle kostenlos.

Aber das Ende der herrlichen Zeiten ist absehbar. Haubenmenüs zum Suppenküchenpreis sind auf Dauer wohl nicht zu haben: "For a while now, readers have had the best of both worlds: all the benefits of the old, high-profit regime—intensive reporting, experienced editors, and so on—and the low costs of the new one. But that situation can’t last. Soon enough, we’re going to start getting what we pay for, and we may find out just how little that is", schrieb James Surowiecki vor Weihnachten im New Yorker.

Der einzige Ausweg: Die Qualitätsmedien reduzieren die wirtschaftliche Abhängigkeit von Werbeeinnahmen und erhöhen die Verkaufserlöse. Damit das klappt, müssten wir (Medienkonsumenten) aber wieder lernen für gute Qualität einen angemessenen Preis zu bezahlen.

 

 
14.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Lieber Wolf Lotter!

     

In brand eins (Februar 2009) haben Sie einen lesens- und bedenkenswerten Artikel über PR geschrieben. Danke.

Ich möchte aber doch in einigen zentralen Punkten Widerspruch einlegen.

1.) Tatsächlich gibt es PR-Definitionen, die man nur als pseudoreligiös bezeichnen kann. Das ist jedoch nicht der PR anzulasten, sondern der Kommunikationswissenschaft. Es gibt aber auch grundvernünftige Definitionen. Ich bevorzuge die von James E. Grunig: "... public relations activities is part of the management between an organisation and its publics ...."

2. Dass PR behauptet, keine Interessen zu vertreten, halte ich für eine dumme These (genauso dumm, wie die, dass Medien die Wahrheit schreiben ((müssen)). PR nimmt aber für sich Anspruch, diese Interessen offenzulegen. Ich gebe zu, dass dieser Anspruch nicht immer eingelöst wird.  So wie auch Bierbrauer den Anspruch, ein Reinheitsgebot einzuhalten, gelegentlich verletzen. Ich habe das vor einigen Jahren so formuliert: "Genauso wie PR nicht manipulativ ist, weil sie manipulativ sein kann, ist sie nicht ethisch, weil sie ethisch sein soll." (In: "Erfolgsfaktor PR", Leykam 2005)

3. PR ist unter den Bedingungen einer Diktatur (z. B. des Naziregimes) nicht möglich. Ohne ein Umfeld, in dem freie Meinungsäußerung und freie Medien existieren, ist PR nicht denkbar. Die Nazis haben dennoch PR betrieben: in den USA, nicht aber in Deutschland. Das sagen Sie in Ihrem Artikel nur sehr implizit.

Herzlich

Martin Novak

 

 
10.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Journalisten sollten mit Taxifahrern reden.

     

Kürzlich kam ich mit einem Taxifahrer ins Gespräch. Über Medien. Journalisten müssten immer mehr produzieren - um 40 Prozent innerhalb weniger Jahre habe ich von einem Wirtschaftswoche-Redakteur erfahren. Auch Journalisten leiden zu Recht unter Angst vor Jobverlust. Da müsse man auch Verständnis haben, dass es zu Fehlern kommt ...

Einen Augenblick war der belesene Taxifahrer still. Dann sagt er: "Ja, auch andere haben Sorgen - daran denkt man oft gar nicht."

Fazit: Mediendebatten sollten nicht nur in Elite-Medien stattfinden, sondern auch im Taxi.

 

 
10.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Verändert eine Zeitung den Besitzer?

     

Alexander Lebedew, russischer Oligarch mit KGB-Vergangenheit hat den traditionsreichen britischen Evening Standard gekauft. Besorgte Kommentatoren fürchten um die Zeitung. Aber es könnte wohl auch sein, dass nicht der Besitzer die Zeitung, sondern der Besitz dieser Zeitung das Bewusstsein Lebedews verändert.

 

 
02.02.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Politik ohne Charisma Veränderung ohne Verstand?

     

"... change based on governance and politics matters a whole lot more than change based on intelligence and charisma", schreibt Nicholas Lehman, Dekan der Columbia School of Journalism, im New Yorker.

Das klingt gut. Aber ist verändernde Politik ohne Charisma des verändernden Politikers in einer Charisma-fixierten Mediengesellschaft denkbar? Und ist Veränderung ohne Verstand, Einsicht, Klugheit (und wie immer intelligence verstanden werden mögen) wünschenswert?

 

 

 
31.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Unbedachtes Gelaber im Netz kann beruflich schaden

     
Ein Mitarbeiter des renommierten PR-Netzwerkes Ketchum ärgerte sich auf Twitter über die Stadt Mempis. Das bereut er vermutlich inzwischen.  
30.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Onkel Carlos ....

     

aus Mexiko leiht der New York Times 250 Millionen $, um ihr Überleben zu ermöglichen. Nur als Gedankenspiel: Stellen wir uns vor, ein kroatischer, serbischer, türkischer ... Tycoon rettet eine österreichische Zeitungsinstitution. Die patriotische, österreichische Seele würde wohl kochen.

Nachzulesen: "Mexican rides to rescue of America's greatest paper" Oder in der NYT selbst.

 

 
28.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Parteien twittern

     

Die SPÖ (Oberösterreich) twittert. Mit tollem Erfolg: 2 Wochen nach dem ersten Eintrag gibt es schon 2 Einträge und 3 Follower.

Die ÖVP twittert auch. Sie tritt raffinierter Weise unter dem Namen Ohio Valley Politics auf. Diese gefinkelte Taktik bringt ihr gleich 41 Follower.

Da ist noch einiges zu erwarten.

Nachtrag: Eine ACNielsen-Studie untersucht das Twitter-Verhalten deutscher Parteien.

 
25.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (2)


Den österreichischen Journalisten ist alles wurscht!

     

Vor allem die Qualität ihres Tuns und der Ergebnisse. Wer das glaubt sollte regelmäßig das Tagebuch der ZIB2-ModeratorInnen lesen. Dort wird er eines Besseren belehrt.

 

 
21.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Zeitung in Not(besetzung)

     

"Mir fällt ... auf, dass viele Zeitungen am Sonntag mit einer Notbesetzung arbeiten, die Ausgabe am Montag ist aber eine vollständige. Hier an den Arbeitskräften zu sparen, ist Missbrauch am Leser."

Schon wieder WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy (im Magazin "pressesprecher" 10/08)

 

 
20.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


(Deutsche) Journalisten sind keine Checker

     

Deutsche Journalisten verstehen sich nicht als News-Checker. Sie sind und bleiben in ihrem Selbstverständnis Beauftragte der Abteilung Agitation und Propaganda, diesmal allerdings auf der Seite des Wahren, Schönen und Guten, meist auf der Seite des Sozialen, der Armen, der Dünnen, und immer im Kampf gegen den Klimawandel komme er oder komme er nicht.
Roland Tichy, Chefredakteur der Wirtschaftswoche in seiner Dankesrede bei der Verleihung des Ludwig-Erhard-Preises für Wirtschaftspublizistik 2008


 
15.01.2009 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Berufstätige scheuen das Tageslicht

     

Wer durch die Stadt spaziert, trifft tagsüber fast nur auf Jugendliche. (...) Je später es wird, desto eher zeigen sich die Berufstätigen, jene, die zu Hunderten jeden Tag zur Arbeit nach Graz oder Wien pendeln.

DIE ZEIT entdeckt ein höchst interessantes Phänomen, aber leider nur in ihrer Österreich-Ausgabe.

 

 
15.12.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


So gründet man eine Zeitung

     

Rechnen allein genügt nicht. (…) Vielmehr braucht es verlegerisches Denken und verlegerischen Willen. Und Talent. Und staatsbürgerliche Verantwortung.Sowie die Lust und Freude, etwas publizistisch wahrhaft Neues zu schaffen …

Peter Ziegler, Schweizer Publizist, in der Weltwoche

 
08.12.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Alles im Focus

     

Jochen Wegner ("Focus Online") im Magazin Pressesprecher: "Bei uns denkt jeder Redakteur auf mehreren Ebenen gleichzeitig – an den Text, an die Fotostrecke, das Video und auch die Datenbank, in der alle Informationen und Formate gespeichert werden..."

Die Frage: Was hat der der Redakteur im Focus?

 

 
01.11.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Askese und Macht

     

"Natürlich haben die Medien faktische Macht. Die einzige Entsprechung für diese Macht ist Askese - das heißt das man diese Macht einfach nicht ausübt", sagt Horst Pirker, Vorstandsvorsitzender der Styria AG.

Leichter gesagt als getan...

 

 
01.11.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Die Macht der Leser

     

"Die Macht der Presse wird überschätzt. Macht haben die Leser und nicht die Zeitung. Eine Zeitung kann aber möglicherweise vorhandene Stimmungen verstärken oder mildern. Mit dieser Verantwortung müssen wir bewusst umgehen." 

Wie "Bild am Sonntag"-Chefredakteur Walter Mayer bewusst umgeht, sagt er im Interview mit dem "Standard" (1. 8. 2008) leider nicht.

 

 
26.10.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Fleissig, die Leseranwaltschaft

     

In Österreich gibt es gottseidank wenig Beschwerden über die Medien. Das zeigt ganz eindeutig die Website der Leseranwaltschaft.

 

 
26.10.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Sicher aber radikal

     

"Auch das Bestreuen mit Salz oder das Überbrühen mit heißem Wasser führen zum sicheren, aber auch radikalen Tod der Schnecken."

Kleine Zeitung, 28. Juli 2008

Ist der Tod nicht immer irgendwie radikal? So kommt man von der Schnecke sehr rasch zu Grundsätzlichem...

 

 
26.10.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Deutschland ist anders.

     
In Österreich ist es längst der Normalfall, dass Chefredakteure als Geschäftsführer oder (Mit)eigentümer nicht nur journalistische sondern auch wirtschaftliche Verantwortung für ihre Zeitung und das Unternehmen tragen. In Deutschland ist die strikte Trennung dagegen eine heilige Kuh. Die aber bei der "Berliner Zeitung", einem traditionsreichen Qualitätsblatt, nun geschlachtet wurde. Die Redaktion allerdings wehrt sich - und sucht per Inserat einen neuen Verleger.  
29.07.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Tiefpunkt des Journalismus

     

Hemmungsloser Boulevard erreicht im Fall Kampusch den "Tiefpunkt des Journalismus". Das geht nicht nur Presserichter etwas an. Auch Journalisten müssen sich dagegen wehren.

Engelbert Washietl ist in der Wiener Zeitung ernsthaft böse

 
06.07.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (1)


Das Nordvietnam-Training

     

"It’s a good thing I had all that preparation in North Vietnam!"

Warum der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain Pressegespräche (nicht) fürchtet. 

Mit Dank an den New Yorker

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Das Problem mit den Büchern

     

Das Buch ist sehr textlastig... (Ernst Sittinger, Kleine Zeitung, 25. 11. 2007)

 

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Schlechte Nachrichten für meine Zeitung

     

Ich glaube nicht, dass Wahrheit das zentrale Moment der Medien sein kann. Die Meldungen müssen ja auch zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein. Jeden Morgen muss eine Zeitung vorliegen, jede Sendeminute im Fernsehen muss gefüllt sein. Ich denke, dass eine Kommunikation, die auf Wahrheit spezialisiert ist, nicht unter Zeitdruck stehen darf.

(Niklas Luhmann)

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Dramolett am Zeitungsstand

     

Ein gut sortierter Zeitungsstand in Graz.

Kunde: "Die Zeit" bitte.

Verkäufer: Haben wir nicht.

Kunde: Sie haben "Die Zeit" nicht?

Verkäufer: Nein, die verkauft sich so schlecht.

Kunde geht (zu sich): Na solange es beim Fleischhauer noch Extrawurst gibt...

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Immanuell Kant, PR-Profi

     

"Alles was nicht zur Publizität geeignet ist, ist Unrecht."

Zu Zeiten Immanuel Kants war alles noch einfacher.

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Wo kämen wir da hin...

     

... wenn das alle so machten? New York Times Journalisten dürfen nicht einmal gratis ein Testauto fahren oder die Einladung zu einer Pressereise annehmen. So steht es tatsächlich im NYT Ethical Journalism Guidebook.

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


So sind Journalisten

     

"Illoyalität ist die Voraussetzung der journalistischen Unabhängigkeit."

Mit Dank an Kurt W. Zimmermann (Weltwoche)

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Objektivität im Journalismus...?

     

... ist eine Chimäre ... Es verstellt eher den Blick, wenn Sie davon ausgehen, dass es etwas wie Objektivität gibt.

Das musste einmal gesagt werden. Getan hat es Bascha Mika, Chefredakeurin der "taz". ("pressesprecher" 02/08)

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Neues hat sich bewährt

     
"Wir werden mit MADONNA, wie bewährt, neue Maßstäbe setzen", sagt Uschi Fellner über das Magazin Madonna.

Mit der Strategie kann ja wohl nichts schiefgehen.

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Unsere Lieblingspresseaussendung

     
Dieses Investor Relations Release enthält unter anderem gewisse vorausschauende Aussagen und Informationen über zukünftige Entwicklungen, die auf Überzeugungen des Managements der DaimlerChrysler AG sowie auf Annahmen und Informationen beruhen, die der DaimlerChrysler AG gegenwärtig zur Verfügung stehen. Sofern in diesen Unterlagen die Begriffe „erwarten“, „einschätzen“, „annehmen“, „beabsichtigen“, „planen“, „sollten“ und „projizieren“ oder ähnliche Ausdrücke benutzt werden, sollen sie vorausschauende Aussagen kennzeichnen, die insoweit gewissen Unsicherheitsfaktoren unterworfen sind. Viele Faktoren können dazu beitragen, dass die tatsächlichen Ergebnisse des DaimlerChrysler Konzern sich wesentlich von den Zukunftsprognosen unterscheiden, die in solchen vorausschauenden Aussagen ihren Niederschlag finden, wie z.B. Veränderungen der allgemeinen Wirtschaftsbedingungen, insbesondere einer möglichen wirtschaftlichen Rezession in Europa oder Nordamerika; Veränderungen der Wechselkurse und Zinssätze; die Produkteinführung von Wettbewerbern; eine mangelnde Kundenakzeptanz bezüglich neuer Produkte oder Dienstleistungen, einschließlich eines wachsenden Wettbewerbsdrucks, u.a. durch Rabatte; Änderungen bei der geplanten Restrukturierung von Chrysler Group und Freightliner hinsichtlich der vorgesehenen Zeit und der vorgesehenen Ergebnisse, insbesondere bezüglich geplanter Ertragssteigerungen, Leistungssteigerungen und Kostenreduzierungen; die erfolgreiche Umsetzung des Restrukturierungsplans durch Mitsubishi Motors; sowie ein Rückgang der Wiederverkaufspreise von Gebrauchtfahrzeugen. Sollte eine dieser Unsicherheitsfaktoren oder andere Unwägbarkeiten eintreten oder sich die den Aussagen zugrundeliegenden Annahmen als unrichtig herausstellen, könnten die Ergebnisse wesentlich von den abgegebenen Erklärungen abweichen. Die DaimlerChrysler AG beabsichtigt nicht, solche vorausschauenden Aussagen und Informationen laufend zu aktualisieren und übernimmt auch keine diesbezügliche Verpflichtung. Die vorausschauenden Aussagen und Informationen gehen von den Umständen am Tag ihrer Veröffentlichung aus.  
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Wozu Geld in der Medienwelt dient

     

"Das Geld ist ein Mittel, unsere Medien-Welt im Wissen um die vielen eigenen Fehler ein Stück besser zu machen: ehrlicher vielleicht oder mutiger und toleranter, langsamer, auch leiser."

Horst Pirker, Styria Medien AG, in der Furche

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)


Mediale Qualitätskontrolle

     
Worte eines deutschen Chefredakteurs (zitiert bei Klaus Meier: Ressort, Sparte, Team. Konstanz, 2002): "Zeitweise hatten wir eine Blattkritik… das fand ich nicht so optimal. Da ist mir meine Lebenszeit zu schade dafür."  
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (1)


Sport verbindet

     
Dass die sechs Tageszeitungen OÖN, „Kleine Zeitung“, „Salzburger Nachrichten“, „Tiroler Tageszeitung“, „Vorarlberger Nachrichten“ und „Die Presse“ eine gemeinsame Beilage zur Euro 08 machen, ist ja schon toll. Dass aber sechs Chefredakeure darin ein wortgleiches Editorial schreiben, zeigt eindrucksvoll die Völker und nun sogar Chefredakteure verbindende Wirkung des Sports.  
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (2)


Das machen doch alle Medien so, oder?

     

Wie kritisch reflektieren Medien sich selbst? Der Schweizer Tagesanzeiger weist in seiner öffentlich zugänglichen Blattlinie den Weg. Ob er ihn selbst auch geht, wissen wir nicht:

 Die Tamedia AG handelt auf allen Kanälen: Presse, Radio, Fernsehen, Online. Das gibt dem Medienunternehmen Macht – womit die Tamedia AG selbst zum Medienthema wird. Für den Tages-Anzeiger bedeutet dies eine Gratwanderung zwischen Informationsauftrag und Loyalität.
Themen

Der Tages-Anzeiger behandelt die Produkte der Tamedia AG gleich wie die Titel anderer Medienunternehmen, weder kritischer noch unkritischer, weder seltener noch öfter.

 Quellen

Der Tages-Anzeiger nennt die Quellen, wenn er aus anderen Medienprodukten zitiert; aus den hauseigenen wie aus den anderen, bei Primeurs wie bei Falschmeldungen.

 

 
04.05.2008 conclusio Kommentar hinzufügen   Kommentare lesen (0)

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