Die österreichische Bundesregierung, namentlich deren Vizekanzler Josef Pröll, sagt eine geplante Werbekampagne (Budget angeblich 5 Millionen Euro) der Bundesregierung ab und macht damit und stattdessen eine weit billigere PR-Kampagne. Dabei bedienen sich Pröll und die Regierung ironischerweise der Medien, die um die Inserate der Bundesregierung kommen, den Sachverhalt der Absage aber pflichtgemäß reportieren. Kritisch zwar, aber doch so dass der Applaus der Hochwasseropfer, die diese fünf Millionen nun angeblich bekommen sollen, wohl eher der Regierung als den Medien gelten dürfte. Ich sollte mich als PR-Berater freuen. Hat doch Pröll sehr eindrucksvoll demonstriert, dass eine PR-Kampagne ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis hat als eine pompöse Werbekampagne. Vielleicht tue ich das auch irgendwann einmal, aber jetzt noch nicht. Jetzt ärgere ich mich. Denn auch eine Werbekampagne macht man, um daraus Nutzen zu ziehen. Auch eine Werbekampagne ist kein Luxus, den man sich leistet oder nicht, sondern sie erfüllt einen Zweck. Sie ist überhaupt nur zu rechtfertigen, wenn sie das investierte Geld wieder hereinspielt – Umwegrentabilität erlaubt. Die Bundesregierung wollte aber offenbar eine Kampagne in Auftrag geben, die keinen Zweck zu erfüllen hat. Wenn dem nicht so wäre, hätte sie diie Aktion nicht so schnell stoppen können. Vielleicht hatte die Kampagne aber auch nur einen Zweck, der jetzt an Dringlichkeit verloren hat. Vielleicht sollte die Kampagne der Medienwirtschaft nutzen, den Verlagen. Das wäre an sich kein so schlechter Zweck. Wenn die Politik der Autowirtschaft durch eine Abwrackprämie und der Baubranche durch vorgezogene Infrastrukturinvestitionen hilft, warum sollte sie dann nicht auch Medienwirtschaft helfen? Die ist von der Wirtschaftskrise zumindest so stark getroffen wie andere Branchen. Und auch sie sichert Arbeitsplätze. Mit dem gleichen Recht könnte die Bundesregierung ein Schnellstraßenbaulos dichtmachen oder die Exportförderung hochwasserbedingt einschränken. Das tut sie aber nicht, zumindest nicht öffentlich. Warum? Weil Geld für Werbung auszugeben, speziell politische, kaum weniger den Beigeschmack der Verschwendung hat als der Kauf eines Goldzobel oder Lexus. Zur Verfestigung dieses Bildes haben die Medien in der Vergangenheit brav beigetragen. Was ja im Grunde für sie spricht. Sie halten die redaktionelle Unabhängigkeit und die Äquidistanz auch dann hoch, wenn es gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen geht. Sie geben selbst der Kritik aus den eigenen Reihen nicht viel Raum. Der Vorsitzende der Universitätskonferenz hätte in einem ähnlich gelagerten, die Hochschulen betreffenden Fall schon einmal mit einem Blattaufmacher rechnen dürfen. |