Schaffenskrise

Ein paar sprachliche Anmerkungen zum umstrittenen Satz „Wir schaffen das.“
Anmerkungen zur politischen Kommunikation.

Wir schaffen das. Dieser Satz. Dieses Wort. Schaffen. „Wir schaffen das“ sagt man, wenn es anstrengend, herausfordernd, mühevoll ist. Wenn etwas leicht von der Hand geht, gibt es nichts zu schaffen. „Wir schaffen das“ sagt man, wenn man am Fuß der Eiger Nordwand steht oder vom Zehn-Meter-Turm ins Sprungbecken blickt.

Natürlich kann man auch sagen: „Wir schaffen das nicht.“ Dann steigt man eben wieder vom Zehn-Meter-Turm statt zu springen. Oder schaut von Grindelwald aus anderen zu, wie andere die Eiger Nordwand hinaufklettern. Das einzige was man dafür vielleicht in Kauf nehmen muss, ist ein wenig Hohn. Dafür hat man sich nicht überwinden müssen.

Das funktioniert aber nur, wenn der Schaffensdrang nicht zum Schaffenszwang wird. Steht am Sprungturm ein hungriger Tiger hinter einem, ist man eher geneigt zu springen. Wer in einem brennen Haus aufwacht, wird „wir schaffen das“ rufen und sich den Weg durch das Feuer bahnen. Wacht man im zwölften Stock auf, wenn erst der dritte brennt, kann man auch warten und darauf hoffen, dass die Feuerwehr rechtzeitig eintrifft. Wenn die das nicht schafft, hätte man sich wohl gewünscht, früher mehr an die eigene Schaffenskraft geglaubt zu haben.